05.12.2025

Farbenblindheit berücksichtigen: Digitale Teilhabe durch verständliche visuelle Signale



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Farbenblindheit berücksichtigen

Farbenblindheit berücksichtigen ist ein zentrales Element für die digitale Teilhabe.
In diesem Beitrag beleuchten wir, warum dieses Thema für alle relevant ist – von der rechtlichen Verpflichtung bis hin zu den praktischen Vorteilen im Alltag.
Anhand typischer Muster und Beispiele wird beschrieben, wie Informationen auch dann verständlich bleiben, wenn Farbe allein nicht zuverlässig wahrgenommen wird.

Warum Farbenblindheit in digitalen Angeboten relevant ist

FarbenblindheitFarbe wird in digitalen Produkten häufig als „schnelles Signal“ genutzt: Erfolg/Fehler, aktiv/inaktiv, Prioritäten, Kategorien in Diagrammen,
Status in Dashboards oder Hinweise in Formularen. Für viele Nutzer ist diese Information jedoch nicht eindeutig, wenn sie ausschließlich über
Farbdifferenzen vermittelt wird.

In der Praxis betrifft das nicht nur „extreme“ Fälle: Auch bei guter Sehkraft können Farbdifferenzen durch Displayeinstellungen,
Umgebungslicht, kleine Schrift, Kompression oder Kontrastmodi verschwimmen. Dadurch wird das Thema zu einem allgemeinen Qualitätsfaktor:
Wenn die Botschaft unabhängig von Farbe erkennbar ist, steigt Verständlichkeit und Fehlertoleranz für alle.

Rechtlicher Rahmen und Standards

Barrierefreiheit ist für viele digitale Angebote nicht nur ein Qualitätsmerkmal, sondern auch eine Verpflichtung.
Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) beschreibt Barrierefreiheit so, dass Angebote für Menschen mit Behinderungen
„in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe“
auffindbar, zugänglich und nutzbar sein müssen.
Visuelle Signale, die nur über Farbe verständlich sind, stehen diesem Prinzip häufig entgegen – insbesondere dann,
wenn sie zentrale Zustände oder Entscheidungen betreffen.

In der fachlichen Bewertung werden Anforderungen häufig über WCAG 2.1 AA und die EN 301 549 betrachtet.
Besonders relevant sind dabei Kriterien rund um „Farbe als alleiniger Informationsträger“ sowie ausreichende Kontraste.

Hinweis: Das ist eine fachliche Einordnung und keine Rechtsberatung.

Typische Barrieren aus Farbenblindheit-Audits

In Barrierefreiheitsaudits und UI-Reviews zeigen sich bei Farbenblindheit-bezogenen Fragestellungen häufig wiederkehrende Muster:

  • Status nur über Rot/Grün (z. B. „Fehler = rot“, „OK = grün“ ohne Text oder Icon mit Bedeutung).
  • Formularfehler nur farblich markiert (roter Rahmen), ohne klare Fehlermeldung am Feld.
  • Diagramme ohne Alternativen (Kategorien nur über Farblegende unterscheidbar; Segmente wirken gleich).
  • Links nur farblich erkennbar (z. B. Fließtext, gleiche Unterstreichung/Typografie fehlt).
  • Aktive Zustände nur als Farbschattierung (Tabs, Filter, ausgewählte Chips) ohne zusätzliche Kennzeichnung.
  • Hinweise/Badges (z. B. „Neu“, „Wichtig“) mit farblicher Hervorhebung, aber ohne eindeutigen Textkontext.
  • Kontrastprobleme in Kombination mit Farbe (helles Grün auf Weiß, Pastelltöne, dünne Linien in Charts).
  • Heatmaps/Skalen ohne nachvollziehbare Abstufung oder ohne textliche Werte.

Merkmale verständlicher visueller Kommunikation

Barrierearme Gestaltung rund um Farbenblindheit zeigt sich in der Praxis vor allem daran,
dass Informationen auch ohne Farbwahrnehmung eindeutig bleiben. Häufig sind dabei folgende Merkmale zu beobachten:

Redundanz: Bedeutung wird nicht nur über Farbe vermittelt

Zustände werden zusätzlich durch Text, Symbole, Muster, Position oder Form kenntlich gemacht. Farbe kann weiterhin unterstützen,
ist aber nicht die einzige Informationsquelle.

Konsistente Bedeutungen und klare Legenden

Wenn Farben Bedeutungen tragen (z. B. Kategorien), bleiben Zuordnung und Benennung konsistent.
Legenden sind eindeutig, und Kategorien sind auch über Bezeichnungen oder Markierungen unterscheidbar.

Kontrast und Linienführung sind robust

Für Text, Icons, Linien und Statuskennzeichnungen ist der Kontrast ausreichend, sodass Inhalte nicht „wegkippen“,
wenn Farbdifferenzen geringer wahrgenommen werden oder Zoom/High-Contrast-Modi genutzt werden.

Diagramme und Visualisierungen sind auch „ohne Farbe“ lesbar

Kategorien sind zusätzlich über Muster (Schraffuren), Markerformen (Kreis, Quadrat, Dreieck), Beschriftungen oder direkte Werte unterscheidbar.
Dadurch werden Charts auch als Screenshot, Ausdruck oder in Graustufen nachvollziehbar.

Interaktive Zustände sind eindeutig erkennbar

Aktiv/ausgewählt/disabled wird nicht nur als Farbänderung dargestellt, sondern etwa über Umrandung, Icon, Textzusatz,
Unterstreichung, Gewichtung (Font-Weight) oder klaren Status-Text.

Beispiele: weniger hilfreich vs. verständlicher

Statusmeldung

Weniger hilfreich: „Fehler“ nur durch roten Rahmen am Feld, ohne Text.

Verständlicher: Klarer Fehlertext direkt am Feld, ggf. zusätzlich Icon + Text wie „Fehler: Bitte 5 Ziffern eingeben“.

Diagramm-Kategorien

Weniger hilfreich: Drei Linien im Chart unterscheiden sich nur durch drei ähnliche Farben.

Verständlicher: Unterschiedliche Markerformen + direkte Beschriftung („Produkt A“, „Produkt B“, „Produkt C“) und/oder unterschiedliche Stricharten.

Links im Fließtext

Weniger hilfreich: Links sind nur blau, aber ohne Unterstreichung und ohne Hover/Focus-Unterscheidbarkeit.

Verständlicher: Links sind zusätzlich typografisch klar erkennbar (z. B. Unterstreichung) und im Fokuszustand deutlich markiert.

Konzeptionelles Snippet (Status mit Text + Icon)

<p class="status status--error">
  <span aria-hidden="true">⚠️</span>
  <strong>Fehler:</strong> Bitte geben Sie eine Postleitzahl mit 5 Ziffern ein.
</p>

FAQ: 10 häufige Fragen zu Farbenblindheit im digitalen Design

1) Was bedeutet „Farbenblindheit“ im Kontext digitaler Produkte?

Gemeint sind Formen eingeschränkter Farbdifferenzierung, bei denen bestimmte Farbtöne schwerer auseinanderzuhalten sind. Dadurch können farbbasierte Signale unklar werden.

2) Warum ist das Thema für „alle“ relevant?

Weil Farbe auch durch Kontextfaktoren wie Display, Licht, Zoom, Kontrastmodi oder Kompression an Eindeutigkeit verliert. Lösungen, die ohne Farbe verständlich bleiben, sind insgesamt robuster.

3) Was ist ein typischer Audit-Befund in Formularen?

Fehler werden häufig nur über rote Markierung am Feld signalisiert, ohne klare Textmeldung. Dadurch bleibt unklar, was genau zu korrigieren ist.

4) Warum ist Rot/Grün als Statuscode problematisch?

Weil Rot und Grün für viele Nutzer nicht zuverlässig unterscheidbar sind. Ohne zusätzliche Hinweise kann „OK“ und „Fehler“ visuell gleich wirken.

5) Welche Bereiche sind besonders häufig betroffen?

Formulare, Dashboards, Diagramme, Statusanzeigen, Filter/Chips, Warnhinweise, Karten/Heatmaps und Linkdarstellung im Fließtext.

6) Sind Diagramme automatisch „barrierefrei“, wenn es eine Legende gibt?

Nicht unbedingt. Wenn Kategorien nur über ähnliche Farben unterscheidbar sind, hilft eine Legende allein oft nicht – besonders bei kleinen Elementen oder dünnen Linien.

7) Welche Rolle spielt Kontrast bei Farbenblindheit?

Kontrast ist ein eigener, sehr häufiger Problemfaktor. Wenn Kontraste gering sind, verlieren Farben zusätzlich an Unterscheidbarkeit – selbst bei Nutzern ohne Farbwahrnehmungs-Einschränkungen.

8) Warum sind Links „nur in Blau“ manchmal ein Problem?

Wenn Linkerkennung ausschließlich über Farbe erfolgt (ohne Unterstreichung/typografische Unterscheidung), ist die Funktion im Text weniger eindeutig – insbesondere bei abweichender Farbwahrnehmung oder individuellen Styles.

9) Wie zeigt sich das Thema bei aktiven Zuständen (Tabs, Filter, Buttons)?

Wenn „aktiv“ nur als leichte Farbschattierung dargestellt wird, kann der Zustand unklar bleiben. Eindeutigkeit entsteht häufig durch zusätzliche visuelle Merkmale (Form/Umrandung/Text) und konsistente Zustandslogik.

10) Welche Rolle spielt das BFSG in diesem Kontext?

Das BFSG beschreibt Barrierefreiheit so, dass Angebote ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe nutzbar sein müssen.
Farbabhängige Signale ohne alternative Kennzeichnung können die Nutzbarkeit einschränken, wenn sie zentrale Informationen tragen.


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