PDF-Dokumente barrierefrei erstellen ist ein zentrales Element für die digitale Teilhabe. PDFs sind in vielen Organisationen der Standard für Informationen, Formulare, Berichte, Rechnungen oder Anleitungen. Ob Menschen Inhalte verstehen und nutzen können, hängt dabei weniger vom visuellen Layout ab, sondern von Struktur, Lesereihenfolge, sinnvollen Alternativen für Nicht-Text-Inhalte und der Bedienbarkeit – insbesondere mit Screenreader, Tastatur, Vergrößerung oder Kontrastmodi. Dieser Text beschreibt typische Barrieren, wiederkehrende Muster und Merkmale barrierearmer PDFs.Hinweis: Fachliche Einordnung, keine Rechtsberatung.
Warum PDF-Barrierefreiheit ein eigenes Thema ist
Ein PDF kann optisch „perfekt“ wirken und dennoch unzugänglich sein, wenn die zugrunde liegende Dokumentstruktur fehlt.
Anders als bei HTML ist Barrierefreiheit im PDF stark davon abhängig, ob das Dokument als getaggtes PDF vorliegt,
ob die Lesereihenfolge korrekt ist und ob semantische Elemente (Überschriften, Listen, Tabellen, Formularfelder) als solche erkennbar sind.
In der Praxis wird das besonders sichtbar, wenn PDFs aus Scans entstehen, wenn Layout in Text „hineingebaut“ wird
(z. B. über Textfelder, Spalten, Grafiken) oder wenn Inhalte aus verschiedenen Quellen zusammenkopiert werden.
Typische Barrieren in PDF-Dokumenten
- Keine Tags / keine Struktur: Das PDF ist für Assistenztechnik „nur eine Fläche“ ohne Überschriften, Absätze oder Listen.
- Falsche Lesereihenfolge: Inhalte werden in einer anderen Reihenfolge vorgelesen als visuell gemeint (Spalten, Textboxen, Kopf-/Fußzeilen).
- Überschriften sind nur optisch formatiert: groß/fett, aber nicht als Überschrift ausgezeichnet.
- Tabellen ohne Tabellenstruktur: Zellen, Kopfzeilen und Zuordnungen sind nicht erkennbar; Daten werden unverständlich ausgegeben.
- Bilder/Diagramme ohne Alternativtext: Aussage und Kontext fehlen oder werden durch generische Alt-Texte ersetzt.
- Links ohne Aussage: URL-Rohtext oder „hier“ ohne Kontext; Linkziele sind nicht nachvollziehbar.
- Unzugängliche Formulare: Felder ohne Label, unklare Pflichtangaben, fehlende Fehlermeldungen, falsche Tab-Reihenfolge.
- Scans ohne OCR: Text ist nicht als Text vorhanden; Suchen, Markieren und Vorlesen scheitert.
- Sprache/Metadaten fehlen: Dokumentensprache ist nicht gesetzt; Titel ist leer; Navigation ist erschwert.
- Reine Farb-Codierung: Bedeutung wird nur über Farbe transportiert (z. B. Rot/Grün, Markierungen, Legenden).
Woran barrierearme PDFs erkennbar sind
Struktur ist vorhanden und sinnvoll
Barrierearme PDFs verfügen über Tags, die die Dokumentlogik abbilden: Überschriftenhierarchie, Absätze, Listen,
Tabellen, Zitate und andere Elemente sind als Struktur erkennbar – nicht nur als optische Formatierung.
Lesereihenfolge entspricht der inhaltlichen Reihenfolge
Besonders bei mehrspaltigen Layouts, Infoboxen oder Textfeldern ist entscheidend, dass die Reihenfolge im PDF
der visuellen und inhaltlichen Logik entspricht. Dadurch werden Inhalte nicht „zerstückelt“ oder in Sprüngen ausgegeben.
Tabellen sind als Tabellen nutzbar
Tabellen funktionieren barrierearm, wenn Kopfzeilen korrekt ausgezeichnet sind und Zellbezüge nachvollziehbar bleiben.
Bei komplexen Tabellen zeigt sich Qualität häufig daran, ob die Struktur auch ohne visuelle Rasterung verständlich ist.
Nicht-Text-Inhalte haben sinnvolle Alternativen
Bilder, Icons, Diagramme und Screenshots werden so beschrieben, dass Zweck und Aussage nachvollziehbar sind.
Dekorative Elemente sind dabei typischerweise als dekorativ markiert, damit sie die Ausgabe nicht unnötig verlängern.
Formulare sind bedienbar und verständlich
Bei Formular-PDFs zeigt sich Barrierearmut an klar beschrifteten Feldern, logischer Tab-Reihenfolge,
eindeutigen Pflichtfeldkennzeichnungen und verständlichen Hinweisen – besonders bei Validierung und Fehlersituationen.
Dokumenteigenschaften unterstützen Orientierung
Titel, Sprache und ggf. Lesezeichen/Gliederung sind gesetzt. Das erleichtert Navigation, Suche und die Ausgabe über Assistenztechnik.
Beispiele aus der Praxis
Beispiel 1: Bericht mit Überschriften
Weniger hilfreich: Überschriften sind nur fett und größer; Screenreader erkennt keine Struktur, Navigation ist mühsam.
Nachvollziehbarer: Überschriften sind als Überschriften getaggt (mit sinnvoller Hierarchie), Abschnitte sind gezielt ansteuerbar.
Beispiel 2: Mehrspaltiges Layout
Weniger hilfreich: Lesereihenfolge springt zwischen Spalten, Infoboxen und Fußnoten; Inhalte wirken „durcheinander“.
Nachvollziehbarer: Lesereihenfolge folgt der inhaltlichen Logik (zuerst Spalte 1 vollständig, dann Spalte 2, anschließend Infoboxen/Fußnoten).
Beispiel 3: Diagramm im PDF
Weniger hilfreich: Diagramm ohne Alt-Text oder Alt-Text wie „Diagramm“; Aussage bleibt unklar.
Nachvollziehbarer: Alternativtext beschreibt die Kernaussage (z. B. Trend/Schlüsselwerte) und benennt die wichtigsten Kategorien.
Beispiel 4: Formular-PDF
Weniger hilfreich: Eingabefelder sind nicht beschriftet, Tab-Reihenfolge springt, Pflichtfelder sind nur rot markiert.
Nachvollziehbarer: Felder haben Labels, Tab-Reihenfolge ist logisch, Pflichtfelder sind zusätzlich textlich kenntlich und Hinweise sind eindeutig.
FAQ: 10 häufige Fragen zu barrierefreien PDF-Dokumenten
1) Was bedeutet „barrierefreies PDF“ grundsätzlich?
Dass das Dokument strukturiert, in sinnvoller Reihenfolge lesbar und bedienbar ist – auch mit Screenreader, Tastatur, Zoom und bei deaktivierter visueller Wahrnehmung.
2) Reicht es, wenn das PDF „gut aussieht“?
Nein. Entscheidend ist die zugrunde liegende Struktur (Tags), Lesereihenfolge und Semantik. Ein optisch gutes Layout kann technisch unzugänglich sein.
3) Warum sind Tags so wichtig?
Tags bilden die Struktur ab (Überschriften, Absätze, Listen, Tabellen). Ohne Tags fehlt Assistenztechnik die Orientierung und Navigation.
4) Was ist die häufigste Ursache für unbrauchbare PDFs?
Scans ohne OCR oder PDFs ohne Tags. In beiden Fällen ist Text nicht sinnvoll nutzbar (Suche, Vorlesen, Struktur-Navigation).
5) Was ist mit „Lesereihenfolge“ gemeint?
Die Reihenfolge, in der Inhalte programmatisch ausgegeben werden. Bei Spalten, Textboxen oder komplexen Layouts kann sie stark von der visuellen Reihenfolge abweichen.
6) Warum sind Tabellen so oft problematisch?
Weil Tabellenstruktur (Kopfzeilen, Zellzuordnung) häufig fehlt oder falsch ist. Dann werden Werte ohne Kontext vorgelesen und sind schwer verständlich.
7) Wie ausführlich sollten Alternativtexte sein?
So kurz wie möglich und so informativ wie nötig: Zweck und Kernaussage sind entscheidend. Dekoration wird idealerweise nicht „mitgelesen“.
8) Was macht ein Formular-PDF zugänglich?
Beschriftete Felder, logische Tab-Reihenfolge, eindeutige Pflichtfeldkennzeichnung, verständliche Hinweise und nachvollziehbare Rückmeldungen bei Fehlern.
9) Welche Rolle spielen Dokumenteigenschaften wie Sprache und Titel?
Sie verbessern Orientierung und Ausgabe: Screenreader benötigt die Sprache für korrekte Aussprache, und ein Dokumenttitel erleichtert das Auffinden und Verwalten.
10) Wie hängt PDF-Barrierefreiheit mit gesetzlichen Anforderungen zusammen?
PDFs sind oft Teil digitaler Informations- und Serviceangebote. Je nach Organisation, Kontext und Rechtsraum können Anforderungen zur Zugänglichkeit gelten – besonders, wenn PDFs zentrale Informationen oder Prozesse abbilden.
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